Entnervt von Delhi zum Taj Mahal in Agra

Na gut, irgendwann werde ich herzlich darüber lachen können, aber im Moment ist es noch nicht ganz soweit. Die Fahrt von Delhi nach Agra ,und die Stadt Agra selbst, schleuderten uns weit aus unserer Komfortzone heraus und brachten uns reichlich aus dem emotionalen Gleichgewicht. Dabei wußten wir aus Foren von solchen Vorfällen und waren zumindestens nicht völlig unvorbereitet. Die Fahrt von Delhi nach Agra dauerte mit dem gemieteten Fahrer ziemlich genau fünf Stunden. Wir waren froh, nach den vielen Fehlschlägen mit BlaBlaCar eine Möglichkeit gefunden zu haben, aus Delhi wegzukommen und freuten uns auf das Taj Mahal. Angekommen am Westtor, und nicht am Osttor, wie mit dem Fahrer ausgemacht, wurden wir gleich von einigen Männern umringt. Wir sollten dem Fahrer noch 1000 Rupien (ca. 12 Euro) extra geben, da er noch Ausgaben für Autobahngebühren gehabt hätte. Das war zwar richtig, ich habe mitbekommen wie er an Mautstellen bezahlt hat, aber ich wußte auch, dass der angebene Fahrpreis bei der Buchung ein Festpreis war, also inklusive Maut. Großes Palaver, ziemlich aggressives Verhalten, letztendlich bezahlte ich und war danach echt sauer. Was dann kam, schlug dem Faß den Boden aus: Sie wollten uns noch eine überteuerte Rikschafahrt andrehen, weil unser Hotel ja soweit weg lag und man nicht mit dem Auto hinfahren durfte. Das war dann zuviel, wir packten unsere Taschen und stiefelten davon. 40 Grad Hitze, eine unüberschaubare, dichtgedrängte Menschenmenge und wir mitten durch. Es war zwar nur ein Kilometer, aber wir kamen nur schleppend voran, ständig wurden wir angequatscht, um uns dazu zu bringen, Souvenirs zu kaufen, in Restaurants zu gehen oder Geld zu wechseln. Ignorieren brachte nichts, die Leute liefen uns hinterher und redeten weiter auf uns ein, „No, thank you“ verstärkte anscheinden ihre Bemühungen. Der Zaubersatz war ein harsches „D’ont talk to me!“ Damit war zumindest von dieser Seite aus Ruhe. Nach 30 Minuten kamen wir im Hotel an, checkten ein und nahmen dann gleich ein Tuktuk zum Bahnhof, um uns Tickets für den Zug nach Ranthambhore am nächsten Tag zu sichern. Die Fahrt war ebenfalls die Hölle. Agra ist nicht schön! Präziser m8öchte ich da gar nicht werden. Jedes Fahrzeug hupte, und zwar ständig. Es ist lauter als jedes Rockkonzert, aber halt keine Musik. Und man kann nicht einfach weggehen. Am Ticketschalter haben wir dann erfahren, dass Sonntags keine Tickets verkauft werden! Wir sollten morgen nochmals kommen, dann sei alles kein Problem. Allerdings fahren nur zwei Züge, nämlich einer am frühen Morgen, was für uns nicht in Frage kam, weil wir ja das Taj Mahal sehen wollten, und der andere erst am Abend, was bedeutete, das wir irgendwann nach Mitternacht in Ranthanbhore ankämen. Also zurück ins Hotel – das wir nur genommen haben, weil es direkt am Taj Mahal liegt – auf unser Zimmer (so ziemlich das schäbigste auf unserer Reise) um uns zu beraten.  Da lagen wir in unserem Bett, erschöpft, hungrig, brummender Schädel und ziemlich am Ende mit null Ahnung, wie es jetzt weitergehen sollte. Dann fing es an zu stinken. Nicht, wie in den Hotelbewertungen beschrieben, „etwas modrig“, sondern nach Kloake. Wir klappten innerlich zusammen und verbrachten die Nacht halb schlaflos und halb mit wirren Träumen. Da hat sich Steffie ihren Geburtstag wohl etwas anders vorgestellt.

Neuer Tag, neues Glück! Wir sind recht früh aufgestanden, gingen ein paar Schritte zum Eingang des Taj Mahals und erlebten ein völlig anderes Agra. Der Bezirk um das Bauwerk war bis auf zwei Reisegruppen fast leergefegt, wenig Lärm und die Luft war kühl und frisch. Am vorherigen Tag waren selbst am späten Nachmittag die Schlangen am Eingang noch kilometerlang und heute kamen wir bereits nach kurzer Wartezeit ins Innere. Merke, lieber Agra-Reisender: Nie, nie, nie am Sonntag das Taj Mahal besuchen! Das riesige Grabmal ist wirlich wunderschön und gehört zu den beeindruckensten Bauwerken, die ich je gesehen habe. Da jeder die Ansicht auf das Taj Mahal kennt, hier mal der Blick vom Taj zurück zum Eingang:

 

Nach der Besichtigung war dann alles recht einfach. Wir fanden ein kleines Reisebüro, mit einem günstigen Angebot für eine Fahrt nach Ranthanbhore und bereits zwei Stunden später ging es los. Netter Fahrer, angenehme Fahrt und nach einer 6 stündigen Autofahrt Ankunft im Ranthanmore Heritage Haveli Hotel. Und alles war gut!

Das Taj Mahal

 

 

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