Betty Blue in Puerto de Mazerron

Wer kennt es noch, das Buch „Betty Blue“ von Jean-Jacques Beineix? Es geht um ein junges Pärchen, das durch Frankreich zieht und versucht, sich eine Existenz aufzubauen. Während er sich um Arbeit und Wohnung bemüht, ist sie ziemlich durchgeknallt, unberechenbar und reagiert oft recht extrem. Wenn sie mit ihrem Chef Stress hat, zündet sie ihm auch schon mal dass Büro an. Das Buch geht nicht gut aus. Nun ist Betty Blue hier auf dem Campingplatz angekommen! Und diesmal ist auch der Mann durchgeknallt. Sie kamen spät abends an, in einem ziemlich neuen silbernen Mercedes und einem alten, heruntergekommenen Wohnmobil der Marke Sterckeman. Es passt nichts zusammen, weder das Auto zu dem Wohnmobil noch das Paar zu dem Auto. Dazu zwei kleine Hunde, die nur am Kläffen und genauso aggressiv und gereizt wie ihre Besitzer sind. Es ist den beiden anzusehen, dass ihnen ziemlich egal ist, was man über sie denkt und deshalb wunderte ich mich auch nicht, als ich ihm morgens im Bad begegnete, er seine Notdurft bei offener Tür verrichtend. Den Rest des Tages läuft er in Unterhosen (mit Eingriff) über den Platz, während sie sich nur im Liegestuhl fläzt, Zeitschriften liest, trinkt, raucht und ab und zu in den Waschraum geht. Eigentlich hätte man ein paar Tage miteinander auskommen können, hätten die beiden zumindest ihre Hunde angeleint. So kam es, wie es kommen musste: Ein Mitarbeiter des Campingplatzes lief am den Wohnwagen vorbei und schon kam einer der Hunde angelaufen und biss ihm in die Wade. Betty Blue und ihr Freund fanden das ziemlich okay, weil der Hausmeister wohl ihrer Meinung nach zu nah an ihrer Parzelle vorbei gegangen war. Kurze Diskussion und der Mitarbeiter humpelte von dannen. Später am Tag eskalierte die Situation jedoch, als eine ebenfalls junge Dame mit ihrem Dackel auf den Campingplatz spazieren ging. Der Kläffer von Betty Blue schoss unter dem Auto hervor und verbiss sich in den armen Dackel. Das Frauchen trat den Angreifer zur Seite und rettete ihren Liebling auf den Arm. Nun kam endlich Betty Blue in die Puschen, schnappte sich ihren Hund und nahm ihn an die Leine. Die Besitzerin des Dackels ihrerseits begann sie nun wüst zu beschimpfen und bald artete das Ganze in ein heftiges Handgemenge aus, in das sich auch die Männer einmischten. Die Polizei wurde gerufen und erschien auch kurz darauf mit vier Mann, schlichtete und nahm Protokolle auf. Betty Blue und ihr Freund wurden des Platzes verwiesen und es kehrte wieder Ruhe und Frieden ein. Ich denke, dass ich wahrscheinlich der Einzige bin, der damit rechnet, dass sie heute Nacht zurückkehrt und den Campingplatz abfackelt.

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